Ganz Deutschland scheint gerade in einer digitalen Zeitmaschine festzustecken. Dank der „Sauercrowd“ ist World of Warcraft Classic wieder in aller Munde. Auch bei mir kickt die Nostalgie – doch zwischen dem Wunsch, wieder ein taktischer Paladin zu sein, und der harten Realität des Erwachsenenseins liegen leider Welten.
Wer aktuell auf Twitch unterwegs ist, kommt an einem Namen nicht vorbei: Sauercrowd. Eine Allianz aus deutschen Top-Streamern hat sich zusammengetan, um Azeroth unsicher zu machen. Und was soll ich sagen? Wenn man die vertraute Musik aus Stormwind hört, juckt es selbst einem „Level-30-Veteranen“ wie mir wieder in den Fingern.
Das gibts hier!
Was ist eigentlich WoW Classic und dieser Sauercrowd-Hype?
Für alle, die die letzten 20 Jahre unter einem Stein (oder in einer Excel-Tabelle) verbracht haben: World of Warcraft Classic ist die ungeschönte Originalversion des Spiels von 2004/2005. Kein Händchenhalten, keine Schnellreise an jeder Ecke, sondern harter, ehrlicher Grind.
Die Sauercrowd (ein Wortspiel aus „Sauerkraut“ und „Crowd“, angeführt von Größen wie HandOfBlood, Metashi12 oder Papaplatte) nutzt diesen Nostalgie-Faktor und macht daraus ein riesiges Community-Event. Es wird gelacht, gestorben (im Hardcore-Modus) und gefeiert. Es ist wie das Public Viewing der Gaming-Szene.
Der Paladin von damals: Ein Rückblick mit Schmunzeln
Ich erinnere mich noch gut an 2005. Ich war ein menschlicher Paladin. In meiner Vorstellung war ich der strahlende Ritter, ein taktischer Tank, der alles zusammenhält und ab und zu auch ordentlich austeilt. Die Realität? Ich habe es bis Level 30 geschafft. Damals fühlte sich das an wie der Mount Everest, heute weiß ich: Das war quasi erst das Aufwärmen im Vorgarten.
Warum RPGs für mich heute der Endgegner sind
So sehr ich die Welt von Azeroth liebe – ich habe ein massives Problem mit dem Genre der Rollenspiele (RPGs) entwickelt: Den Grind.
Früher hatte man Zeit. Heute habe ich einen Terminkalender. Wenn ich heute sehe, dass ich für eine Quest 20 Eber-Herzen sammeln soll (von Wildschweinen, die anatomisch gesehen anscheinend oft herzlos geboren werden), dann schaltet mein Gehirn auf Durchzug.
Ganz ehrlich: Die Steuererklärung vorzubereiten fühlt sich manchmal nach mehr Fortschritt an, als drei Stunden lang Mobs für 2% Erfahrungsgewinn zu verkloppen. Während Kids, Vollzeitstreamern und Kinderlose in der Sauercrowd 12 Stunden am Stück streamen, bin ich nach 30 Minuten Questen im „Wo ist hier die nächste Taverne?“-Modus. Mein Geduldsfaden ist heute einfach kürzer als ein Gnom-Magier auf Speed.

Fazit: Tourist in der eigenen Jugend
Ich feiere den Hype um die Sauercrowd und die Rückkehr von WoW Classic total. Es ist toll zu sehen, wie diese alte Welt wieder zum Leben erweckt wird. Aber ich habe auch gelernt: Man muss nicht Level 60 werden, um den Vibe zu genießen. Ich bleibe wohl der ewige „Tourismus-Pala“ – ich schaue den Profis beim Leiden zu, trinke mein digitales Bier in der Taverne von Goldshire und logge rechtzeitig aus, bevor der Grind meinen Blutdruck in ungesunde Höhen treibt.Wie stehst du dazu?
Wie geht es euch mit dem aktuellen Hype? Seid ihr die absoluten RPG-Liebhaber, die jede Quest-Lore auswendig lernen und den Grind zelebrieren? Oder seid ihr eher wie ich: Große Fans der Welt, aber beim Thema Leveln eher Fraktion „Ich hab noch anderes zu tun“?